Gestaltung des digitalen Lesens — Das Lesen in digitalen Medien ist omnipräsent. Diskussionen rund um dieses Thema verharren aber oft bei dem Vergleich zwischen digitalem und analogem Lesen, anstatt sich mit den spezifischen Fragen zu beschäftigen.

Die Konferenz ReadOn wird der Frage nachgehen, wie digitale Lesemedien heute gestaltet werden müssen, um den vielfältigen Ansprüchen gerecht zu werden.

In digitalen Medien haben sich neue Formen des Lesens entwickelt. Die Möglichkeiten der Verknüpfung von Text und Kommunikation, der semantischen Auszeichnung, der Annotation und vieles mehr erfordern einen Lesebegriff, der über lineares Lesen weit hinausgeht. Das hat auch Folgen für die Gestaltung dieser Texte.

Die Typografie muss in digitalen Medien auf flexible Inhalte reagieren können. Dabei löst sich eine Konstante der klassischen Typografie auf: das feste Format. Texte und Bildelemente sollen sich flexibel unterschiedlichen Formaten anpassen. Alle Elemente von der Schrift bis zum Layout scheinen instabil zu werden.

Das stellt die Gestalter dieser Medien vor neue Herausforderungen. Wie ist es möglich eine an der traditionellen Typografie geschulte Qualität aufrechtzuerhalten?

ReadOn möchte den Problemen und Chancen der Gestaltung, Anreicherung und Publikation digitaler Medien nachgehen und fragen, wie das erweiterte, digitale Lesen sinnvoll gestaltet werden kann, welche Kompetenzen Autor und Gestalter digitaler Texte mitbringen sollten, welche veränderten, erweiterten Formen des digitalen Lesens sinnvoll sind und welche Fragen sich in Zukunft rund um die Gestaltung digitaler Textmedien stellen werden.

Sprecher

Christian Hanke

Portraitfoto Christian Hanke

Christian Hanke ist Creative Director and Partner bei Edenspiekermann. Er zählt zu den führenden Experten im Bereich der Entwicklung von neuen Content Experiences für Medienhäuser und Marken, die er in enger Zusammenarbeit mit deren Redaktions- und Produktteams entwickelt. Die Bandbreite seiner Arbeit reicht von Medienhäusern, wie The Economist, Zeit Online, NZZ, ProSiebenSat1 und Ringier bis hin zu globalen Consumer Marken wie Red Bull und das Red Bull Media House. Für zwei Innovations-Projekte aus der Kollaboration mit Redaktionen hat er eine Förderung der Google Digital News Initiative gewonnen.

Dr. Svenja Hagenhoff

Portraitfoto Dr. Svenja Hagenhoff

Prof. Dr. Svenja Hagenhoff ist seit 2011 Professorin für Buchwissenschaft mit Schwerpunkt E-Publishing und Digitale Märkte am Institut für Buchwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dort ist sie u.a. Koordinatorin des Forschungsschwerpunkts ›Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung‹. Sie ist Mitglied in zahlreichen Forschungsorganisationen und Forschungsprojekten. U.a ist sie Mitglied des Vorstandes des interdisziplinären Zentrums für Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften, der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und der Association of Internet Researchers. Neben zahlreichen anderen Projekten leitet sie das Forschungsprojekt ›Bereitstellungsqualität digitaler Schriftmedien‹, das die digitalen Varianten von Printprodukten analysiert.

Hover States

Foto Hover States

8558250403 ist einer der führenden Blogs zum Thema alternativer Webgestaltung. Durch seine Offenheit gegenüber experimentellen und neuen Formen ist er zu einer der Referenzen für kommende Trends und zu einem Abbild des Einsatzes der aktuellen technischen Möglichkeiten geworden. Hover States wurde ursprünglich von Chambers Judd begonnen und kuratiert und wird aktuell von Mike Guppy, Dan Powell, Nate van der Ende and Simon Neveu weiter geführt.

Frank Rausch

Portraitfoto Frank Rausch

Frank Rausch arbeitet als Interface-Designer, App-Entwickler und Spezialist für digitale Typografie. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer von Raureif, einer Berliner Beratungsfirma für Interaction Design.

In seiner Arbeit setzt Frank Rausch aktuelle Technologien und Algorithmen ein, um hochwertige digitale Lese-Interfaces zu gestalten. Er unterrichtet App Design und Typografie an Hochschulen in Graz, Kopenhagen, Potsdam und St. Gallen.

Niels Schrader

Portraitfoto Niels Schrader

Niels Schrader (VE/DE) is a concept-driven information designer with a fascination for numbers and data. He is founder of the Amsterdam-based design studio Mind Design and member of the advisory panel for the Creative Industries Fund NL. Schrader graduated in communication design at the University of Applied Sciences in Düsseldorf and further completed his academic studies in the master programme Design at the Sandberg Institute Amsterdam. Next to his design practice Schrader writes regularly for the German design magazine Novum. He has lectured at various academies and universities in- and outside Europe and is together with Roosje Klap head of the bachelor Graphic Design and master Non-Linear Narrative at the Royal Academy of Art in The Hague.

Ausstellung

Die Ausstellung zeigt eine thematische Auseinandersetzung mit Schrift von Studierenden des Master-Studiengangs Gutenberg Intermedia ›Type+Code‹.

Dynamic Types

Die Gestaltung digitaler Medien wird für uns Designer eine immer bedeutendere Aufgabe. Das fest definierte Format löst sich auf. Als Gestalter denken wir heute in einer Vielzahl von Layoutvarianten, die die visuelle Qualität klassischer Printpublikationen nicht verlieren sollen. Nie zuvor hat sich Typografie so gut wie jetzt an das Nutzerverhalten angepasst. Heute werden Interaktion und Anpassungsfähigkeit zum Kernelement, um auf dynamische Formate reagieren zu können.

Silja Buhl, Charlotte Hesse

A Disrupted Symphony

Heute können Informationen flexibel von jedem Ort und auf jedem Ausgabemedium abgerufen und den unterschiedlichsten Lesebedürfnissen angepasst werden. Gleichzeitig führt jedoch eine zunehmende visuelle Reiz- und Informationsflut zu einer nachhaltigen Störung des Leseverhaltens. »A Disrupted Symphony« beschäftigt sich in kurzen Animationen mit dieser Form des »digitalen Kontrollverlusts«. Bewegte Schrift wird in verschiedenen Bildschirmformaten zum Akteur.

Valerie Kemper, Anne Merlau

Formmodul

Häufig werden gestalterische Arbeiten durch das Medium, in dem sie dargestellt werden, verändert. Dadurch kann sich auch ihre Bedeutung wandeln. In dieser Installation können vorhandene Alltagsobjekte genutzt, manipuliert und zusammengstellt werden, um Buchstabenformen zu erzeugen, die auf ein anderes Medium projiziert werden. Dabei wird ihre Form verändert und maschinell neu interpretiert.

Attieh Damavandi, Marie Lux

Form Follows You

Ein zufällig ausgewählter, auf den Boden projizierter Buchstabe kann interaktiv durch maximal fünf Personen individuell verändert werden. Durch eine gezielte Veränderung der Position ist es den Nutzern möglich, den Buchstaben zu verformen â€“ die Ankerpunkte folgen den Schritten. Abschließend werden der angefertigte Buchstabe und seine Entwicklungsstadien in Form eines Flyers ausgedruckt. Form Follows You soll vorhandene Hemmungen und fehlende Berührungspunkte zur variablen Typografie und zur digitalen Schrift aufheben.

Lisa Schlechter, Lisa Schmidt

Frenhover

Frenhover ist eine künstliche Intelligenz. Sie liest Bilder, die mit ihr geteilt werden und sucht nach vertrauten Formen und Kontexten, die sie in ihrem Training mit Fotos aus sozialen Netzwerken gelernt hat. Sie beschreibt ihre Eindrücke und generiert darauf basierend ein neues Bild, das ihre Vorstellung der Szenerie widerspiegelt. Die Sequenz aus geteiltem Bild, Beschreibung und generiertem Bild wird als Diptychon für 30 Sekunden auf Bildschirmen in der Ausstellung gezeigt.

Lukas Rudig

Hidden Character

Oft wird behauptet: Beim Umstieg vom Analogen ins Digitale ginge etwas verloren – das Unperfekte, die Nuancen, die Individualität. Der Computer rationalisiert Fehler und liefert bei Texteingaben ein unnatürlich sauberes Schriftbild. Doch solange die Eingabe durch Menschen erfolgt, bleibt der individuelle Charakter erhalten. Er ist nur nicht sichtbar. Hidden Character macht diese Eigenschaften sichtbar. Jedes Zögern im Schreibfluss wird direkt in verschieden breite Buchstaben umgesetzt und so typografisch visualisiert.

Johannes Ammon, Gregor Ott

Programm

09:00 UhrRegistrierung

10:00 UhrBegrüßung

Dr. Gerhard Muth (Präsident der Hochschule Mainz)

10:15 UhrFlorian Jenett, Philipp Pape

ReadOn – Gestaltung des digitalen Lesens

11:45 UhrDr. Svenja Hagenhoff

Grand Challenge »Digitale Lesemedien«. Forschungs- und Gestaltungs­desiderate

Digitale Lesemedien werden heute oft in Form digitaler Klone von Printmedien gestaltet. Diese Objekte sind weder gut rezipierbar noch gut nutzbar. Der Vortrag plädiert dafür, digitale Lesemedien als eigenständige, nativ digital gestaltbare Objekte zu begreifen und zeigt Forschungsdesiderate und -herausforderungen auf.

12:45 UhrMittagspause

14:00 UhrNiels Schrader

Nonlinear Reading

Based on the concept of history, reading and writing unfold into an ever-evolving linear code. As communication habits keep adapting to new lifestyles and technological developments, communicating through and with computers stimulate a new, numerical, structure of information.

The ease of use and the pace of technological developments stimulate the fragmentation of texts. The linearity is being broken up as browsing effectively means navigation through short fragments distributed over multiple accessible sources. Chunks of different style, form, language or format.

Consequently, the future of reading lies in learning how to lay a thread of reasoning between these disconnected fragments.

15:00 UhrChristian Hanke

The State of Digital Editorial Design

Die Entwicklung der Mediennutzung der letzten Jahre verändert die  Ausspielwege für Inhalte grundlegend. Und doch bleiben Fragen: wird z.B. auf mobilen Endgeräten wirklich anders oder weniger gelesen? Lösen Video und Audio geschriebene Texte ab? Aus der Zusammenarbeit mit über 15 führenden Medien-Marken wie u.a. The Economist, Zeit Online und NZZ als auch mit Marken-Medien wie Red Bull geht es um einen Über- und Ausblick auf digitales Editorial Design. Was haben wir in den letzten Jahren über Inhalte Nutzung und deren Gestaltung gelernt? Was ist anders? Was wird wichtig für Gestaltende und Inhalteerzeuger?

16:00 UhrKaffeepause

16:45 UhrHover States

The bleeding-edge of the web browser

We take a look at some of our favourite moments in the past few years where technology has influenced trends in web-design, and examine the tension between form, function and content.

17:45 UhrFrank Rausch

Die neue Typografie

Text ist überall. Im Alltag lesen wir inzwischen mehr Text von Glas als von Papier. Um gute Lesetypografie für dynamische Inhalte zu gestalten, sind andere Arbeits- und Denkweisen erforderlich als in der klassischen analogen Typografie. Frank Rausch wird im Vortrag seinen Ansatz vorstellen und über typografische Zukunftsperspektiven spekulieren.

19:00 UhrAbschluss

Anfahrt

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Anreise per Auto

Die Hochschule ist erreichbar von einer Ausfahrt des Mainzer Autobahnrings in Richtung Innenstadt. Folgen Sie den Schildern in Richtung »Rheingoldhalle« oder »Rathaus« und dann der Rheinstraße bis zum Holzturm. Bitte nutzen Sie das Parkhaus im Fort Malakoff Park in der Dagobertstraße. Auf Grund begrenzter Parkmöglichkeiten empfehlen wir die Anreise mit der Bahn.

Anreise per Bahn

Die Hochschule ist vom Bahnhof Mainz/Römisches Theater in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen, (Richtung Rhein, Rheingoldhalle/Rathaus) wir empfehlen die Reiseauskunft der Deutschen Bahn.

Veranstaltungsort

Hochschule Mainz
University of Applied Sciences Mainz
Holzstrasse 36
D-55116 Mainz